Was ist ein Asset Deal?

Der Asset Deal bedeu­tet die Über­tra­gung von bestimm­ten Ver­mö­gens­wer­ten, Ver­bind­lich­kei­ten und Rechts­ver­hält­nis­sen einer Gesell­schaft oder Tei­le einer Gesell­schaft an einen Käu­fer. Die Umset­zung erfolgt nach § 433 BGB, die ding­li­che Über­tra­gung nach §§ 929ff, 873 ff., 413 in Ver­bin­dung mit § 398 BGB.

Vor­tei­le des Asset Deals

  • Der Käu­fer wie der Ver­käu­fer weiß exakt was er kauft resp. ver­kauft
  • Ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter und/oder Rechts­ver­hält­nis­se kön­nen in der abge­ben­den Gesell­schaft ver­blei­ben ( Cher­ry Picking)
    Haf­tung nach § 434 BGB (Sach­man­gel)
  • Nicht gewünsch­te Risi­ken, z.Bsp. steu­er­li­cher Natur ver­blei­ben im Man­tel beim Ver­käu­fer
  • Abschrei­bung des Kauf­prei­ses über Ver­tei­lung auf die ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter in Höhe der jewei­li­gen Teil­wer­te, vgl. § 7 EStG
  • Abschrei­bung der Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten auf die ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter
  • Der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn geht an die Gesell­schaft und kann mit vor­han­de­nen Ver­lust­vor­trä­gen ver­rech­net wer­den, sowie wei­te­re steu­er­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten. Bei Aus­schüt­tung des Gewinns an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten: Steu­er­be­las­tung, s.h Sha­re Deal, bei Aus­schüt­tung an natür­li­che Per­so­nen greift die Abgel­tungs­steu­er (abzu­füh­ren durch die Gesell­schaft) in Höhe von der­zeit 25% zuzüg­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag. Damit ist die Steu­er für natür­li­che Per­son abge­gol­ten. Davon unbe­rührt sind die Steu­ern der Gesell­schaft (GewSt, KSt.)
  • Kei­ne USt. soweit § 1 Abs. 1a UStG ein­ge­hal­ten wird

Nach­tei­le des Asset Deals

  • Bestimmt­heits­grund­satz, das bedeu­tet, teil­wei­se auf­wen­di­ge­re Defi­ni­ti­on der zu ver­kau­fen­den Wirt­schafts­gü­ter / Rechts­ver­hält­nis­se
  • Zustim­mungs­er­for­der­nis zur Über­tra­gung von Rechts­ver­hält­nis­sen (Kun­den, Lie­fe­ran­ten, Arbeit­neh­mer), ana­log § 415 BGB
    Die voll­stän­di­ge oder auch über­wie­gen­de Über­nah­me von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den kann i.S. des Kar­tell­rechts einen Kon­troll­erwerb aus­lö­sen, damit besteht u.U. Geneh­mi­gungs­pflich
  • Form­erfor­der­nis­se:
    • Grund­stücks­kauf­ver­trä­ge gem. § 311 b Abs.1 BGB nota­ri­el­le Beur­kun­dung des gesam­ten Ver­tra­ges, damit wür­den auch form­lo­se Neben­ab­re­den nich­tig gem. §§ 125, 139 BGB, was wie­der­um über die Grund­buch­ein­tra­gung geheilt wer­den kann.
    • Über­tra­gung des gesam­ten Ver­mö­gens i.S. des § 311b Abs. 3 erfor­dert nota­ri­el­le Beur­kun­dung. Auf­grund Urteil OLG Hamm wird nach Beob­ach­tung des Autors dazu über­ge­gan­gen nahe­zu alle Asset Deals zu beur­kun­den
    • Beweg­li­che Sachen, For­de­run­gen und gewerb­li­che Schutz­rech­te i.d.R. Form­frei – s.h. jedoch Urteil OLG Hamm sowie in Bezug auf Schutz­rech­te schrift­li­che Abtre­tungs­er­klä­rung, z.Bsp. § 27 Abs.3 und § 28 Mar­ken
  • Arbeit­neh­mer: Anwen­dung des § 613a BGB, bei Teil­be­triebs­über­gang – Zuord-nung der Arbeit­neh­mer. Bei bestehen­den Tarif­ver­trä­gen gehen die­se nach 613a Abs. 1 Satz 2 auf den Käu­fer über, soweit die­ser nicht über eige­ne Tarif­ver­trä­ge ver­fügt Bei Wider­spruch des Arbeit­neh­mers zur Über­tra­gung des Arbeits­ver-hält­nis­ses bleibt die­ses beim Ver­äu­ße­rer
  • Betriebs­rat- sofern vor­han­den: Mit­be­stim­mung nach § 106, § 111 BetrVG , aber ein Betriebs­in­ha­ber­wech­sel ist kei­ne Betriebs­än­de­rung, hier greift § 613a zum Schutz der Arbeit­neh­mer. Ände­rung des Mit­be­stim­mungs­sta­tus mög­lich
  • Man­tel ver­bleibt beim Ver­käu­fer, mit allen dar­in evtl. bestehen­den Risi­ken und ist abzu­wi­ckeln

Die Due Dili­gence beschränkt sich auf die zu erwer­ben­den Ver­mö­gens­wer­te, Ver­bind­lich­kei­ten und Rechts­be­zie­hun­gen. Dadurch ist sie güns­ti­ger als bei einem Sha­re Deal.

Die Pro­ble­ma­tik der Zustim­mungs­er­for­der­nis­se von Lie­fe­ran­ten, Kun­den und Arbeit­neh­mern kön­nen durch ent­spre­chen­de Klau­seln im Kauf­ver­trag gelöst wer­den, sodass die ver­knüpf­ten Risi­ken tat­säch­lich wirt­schaft­lich auf den Käu­fer über­ge­hen.

Strit­ti­ge The­men, mit stark unter­schied­li­chen Risi­ko­ein­schät­zun­gen und / oder Auf­fas-sun­gen der Par­tei­en, die sich als Deal Brea­ker erwei­sen, kön­nen im Man­tel belas­sen wer­den.

Das Haf­tungs- und Gewähr­leis­tungs­ri­si­ko ist klar defi­nier­bar, mit der Fol­ge, das Haf­tungs- und Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che redu­ziert und die Ver­jäh­rungs­fris­ten ver­kürzt wer­den kön­nen.

Abhän­gig vom jewei­li­gen Ein­zel­fall ist die Steu­er­be­las­tung der Ver­käu­fer gerin­ger als beim Sha­re Deal.

Eine all­ge­mein gül­ti­ge Aus­sa­ge wel­che Trans­ak­ti­ons­form – Sha­re oder Asset Deal – aus Erwer­ber oder Ver­käu­fer­sicht güns­ti­ger ist, ist u.E. nicht mög­lich. Dies ist von den Para­me­tern des Ein­zel­falls bestimmt. Bei klei­ne­ren SME und ins­be­son­de­re kri­sen­ge­präg­ten Gesell­schaf­ten ohne kom­ple­xe Struk­tu­ren von Toch­ter­ge­sell­schaf­ten kann ein Asset Deal unter bestimm­ten Umstän­den die Ver­kaufs­wahr­schein­lich­keit stei­gern sowie den Kauf­preis zu opti­mie­ren.