Mit dem Schutz­schirm­ver­fah­ren aus der Kri­se

Mit dem Schutz­schirm­ver­fah­ren aus der Kri­se

Die Coro­na-Kri­se ent­wi­ckelt sich zuse­hends zur nächs­ten hand­fes­ten Welt­wirt­schafts­kri­se. In vie­len Bran­chen wird dies zu sin­ken­der Ertrags­kraft und Boni­tät füh­ren und damit das ope­ra­ti­ve Geschäft nach­hal­tig nega­tiv beein­flus­sen. Dabei macht die Kri­se auch vor sonst erfolg­rei­chen Unter­neh­men nicht halt.

So prüft der­zeit bei­spiels­wei­se die Luft­han­sa, die jüngst die drei bes­ten Jah­re ihrer Kon­zern­ge­schich­te ein­flie­gen konn­te, ein Schutz­schirm­ver­fah­ren, um einen mög­li­chen direk­ten Ein­stieg des Staa­tes zu ver­hin­dern. Ein sol­ches Schutz­schirm­ver­fah­ren durch­lief im Zusam­men­hang mit der Tho­mas-Cook-Plei­te bereits der Feri­en­flie­ger Con­dor und konn­te sich in die­sem Rah­men erfolg­reich sanie­ren und für die Zukunft neu auf­stel­len.

Aus die­sem aktu­el­len Anlass stel­len wir — kurz skiz­ziert — das Schutz­schirm­ver­fah­ren als eine von meh­re­ren Mög­lich­kei­ten der stra­te­gi­schen Sanie­rung vor.

 

 

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Schutz­schirm­ver­fah­ren

Das Schutz­schirm­ver­fah­ren ist ein eigenstän­diges Sanie­rungs­ver­fah­ren unter Insol­venz­schutz. Ziel ist sanie­rungs­fä­hi­gen und fort­füh­rungs­wür­di­gen Unter­neh­men über ziel­ge­rich­te­te Maß­nah­men auf der Pas­siv Sei­te der Bilanz und ope­ra­ti­ve Maß­nah­men die Unter­neh­mens­zu­kunft erfolg­reich zu gestal­ten.

Daher wird auch im Schutz­schirm­ver­fah­ren nach § 270 b InsO letzt­end­lich ein Antrag auf Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens gestellt, die­ser ist zwin­gend, um den ange­streb­ten Schutz und die Vor­tei­le des gericht­li­chen Ver­fah­rens zu errei­chen.

Der Schutz­schirm nach § 270b InsO bie­tet Per­so­nen und Unter­neh­men die Mög­lich­keit unter dem Schutz der Insolvenzord­nung eine Sanie­rung vor­zu­be­rei­ten / durch­zu­füh­ren. Vor­teil ist, dass das Unter­neh­men von den typi­schen insol­venz­recht­li­chen Beschrän­kun­gen frei .

Das Schutz­schirm­ver­fah­ren bie­tet weit­ge­hen­de Mög­lich­kei­ten, wenn alle Ein­tritts­hür­den genom­men wer­den. Nach­ste­hend die wich­tigs­ten Fak­to­ren.

11 Fak­to­ren für den Erfolg

  • Die Geschäfts­füh­rung ver­bleibt im Amt und ver­tritt das Unter­neh­men (ein bestell­ter Sach­wal­ter kon­trol­liert die GF)
  • Kei­ne Ver­öf­fent­li­chungs­pflicht für das Schutz­schirm­ver­fah­ren, aber Ein­bin­dung der wich­tigs­ten Gläu­bi­ger
  • Löh­ne und Gehäl­ter kön­nen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen bis zu 3 Mona­te aus Insol­venz­geld finan­ziert wer­den
  • Lösung von ungüns­ti­gen Ver­trä­gen und Ver­pflich­tun­gen mög­lich
  • Ein­schrän­kung Eigen­tums­vor­be­halt
  • Steu­er­erleich­te­run­gen
  • Druck­zah­lun­gen kön­nen zurück­ge­for­dert wer­den
  • Anpas­sung der Per­so­nal­struk­tur ver­ein­facht, regel­mä­ßig ohne Abfin­dung
  • Es kön­nen Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten begrün­det wer­den
  • Sanie­rungs­kon­zept bedarf nicht der Zustim­mung aller Gläu­bi­ger, son­dern kann mit Mehr­heit durch­ge­setzt wer­den
  • Mög­lich­keit den Antrag bei erfolg­ter Sanie­rung inner­halb von 90 Tagen zurück­zu­neh­men.

Hohe Anfor­de­run­gen an das Ver­fah­ren

Die Daten und Unter­la­gen die nor­ma­ler­wei­se in wochen­lan­ger Klein­ar­beit zwi­schen Insol­venz­an­trag und Eröff­nung zusam­men­ge­tra­gen wer­den, müs­sen dem Gericht zusam­men mit dem Sanie­rungs­kon­zept (IDW S6) und der Beschei­ni­gung der Sanie­rungs­fä­hig­keit (§ 270b S.3) eines unbe­tei­lig­ten Drit­ten, sowie dem Vor­ab­stim­mungs­er­geb­nis der wich­tigs­ten Gläu­bi­ger vor­ge­legt wer­den. Mög­li­che Beden­ken des Gerichts sind hier­bei zu anti­zi­pie­ren und ent­spre­chend zu behan­deln.

Vor­ge­nann­te Punk­te unter­strei­chen, dass eine sorg­fäl­ti­ge, pro­fes­sio­nel­le Vor­be­rei­tung und Abwä­gung aller Alter­na­ti­ven essen­ti­ell für die Gestal­tung einer erfolg­rei­chen Unter­neh­mens­zu­kunft sind.

Exkurs

Neben dem Schutz­schirm­ver­fah­ren kann auch der Weg über den § 270 a InsO (Pla­nin­sol­venz) ein geschla­gen wer­den, der hier nicht The­ma ist, aber der Voll­stän­dig­keit hal­ber zu erwäh­nen ist. Auch hier ist Eigen­ver­wal­tung mög­lich. In bestimm­ten Fäl­len bie­tet die­ses Ver­fah­ren den ein­fa­che­ren und schnel­le­ren Weg an. Das Schutz­schirm­ver­fah­ren ist aus unse­rer Sicht immer dann die ers­te Wahl, wenn das The­ma Insol­venz­geld nicht vor­ran­gi­ges Ziel ist, son­dern die Sanie­rung des Unter­neh­mens.

Fazit

Das Schutz­schirm­ver­fah­ren bie­tet Unter­neh­men, in Son­der­si­tua­tio­nen oder wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men die Mög­lich­keit den Unter­neh­mens­be­stand zu sichern.

Ob ein Schutz­schirm­ver­fah­ren, Insol­venz­plan­ver­fah­ren oder ande­re Metho­den der Sanie­rung beschrit­ten wer­den, ist indi­vi­du­ell von der jewei­li­gen Unter­neh­mens­si­tua­ti­on abhän­gig. Je früh­zei­ti­ger alle Mög­lich­kei­ten abge­wo­gen und ent­schie­den wer­den des­to höher sind die Aus­sich­ten den gewünsch­ten Erfolg zu rea­li­sie­ren.

Trau­mann Con­sul­ting – Unter­neh­mens­zu­kunft erfolg­reich -

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Jörg Trau­mann, MBA, Hoch­schul­zer­ti­fi­kat Sanie­rungs- und Insol­venz­recht

Ver­fügt über 30 Jah­re Erfah­rung in der Füh­rung, Sanie­rung und Restruk­tu­rie­rung von Kon­zern – und Mit­tel­stands­un­ter­neh­men im In- und Aus­land.

Wir sind spe­zia­li­siert auf M&A und Son­der­si­tua­tio­nen, wie Sanie­rungs­be­ra­tung, Ver­fah­rens­be­glei­tung und Restruk­tu­rie­rungs­ma­nage­ment.

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